Freitag, 30. Oktober 2015

Mit den Augen eines Hundes

Draußen wird es langsam hell und ich lausche bereits einige Zeit Ihrer Atmung. Sie wird schneller und unregelmäßiger. Anders, als in der Nacht. Wenn Sie sich noch einmal bewegt, gehe ich nachsehen, ob Sie vielleicht schon wach ist. Da, Sie sieht mich an. Nun ist es eindeutig. Ich springe auf von meinem Nachtlager und eile an den Bettrand. Sie liegt gerade in der richtigen Höhe, sodass ich Ihr direkt in die noch müden Augen sehen kann. Endlich, der Tag kann beginnen.

Ich weiß, wenn Sie jetzt aufsteht, passiert noch nicht viel. Sie ist beschäftigt und hat ohnehin keine Hand frei für mich. Ich lege mich wieder hin und döse, bis ich eindeutige Geräusche oder gar keine Geräusche mehr vernehme. Ich weiß, dass Sie sich dann hingesetzt hat und aus ihrer Tasse trinkt. Aber die Mädels bekommen das auch mit und sind vor mir bei Ihr. Außerdem hat Sie ja nur eine Hand frei zum Streicheln. Also bleibe ich noch liegen, bis es los geht.

Und dann höre ich, wie Sie das große Licht einschaltet und weiß: nun kommt mein Part! Ich laufe zu Ihr, sehe Ihr tief in die Augen und warte auf die Worte: "Balu, hol dein Bandl!" Ich weiß genau, was zu tun ist und springe voller Eifer in die Ecke, wo sie alle liegen - unsere Halsbänder und Geschirre. Ich erkenne meines am Geruch, aber ich weiß auch, wie es aussieht. In Windeseile bringe ich es Ihr und schnappe nach dem Leckerchen, das es als Belohnung gibt. Manchmal in der Hektik bin ich zu grob, dann gibt Sie es nicht her. Aber ich weiß, dass ich es sofort bekomme, wenn ich meine Zunge und die Lippen über die Zähne schiebe und ganz langsam das Leckerchen in mein Maul gleiten lasse. Dann lächelt Sie mich an und ich weiß, ich habe es richtig gemacht.

Phoebe ist ein Streber - so sagt Sie zumindest zu ihr. Sie erledigt ihren Part ebenso rasch wie ich und oft rangeln wir darum, wer Mollys Geschirr holen darf. Molly kann das nicht. Sie muss auf der Decke warten, bis wir es für sie bringen.

Und dann, nach einer Ewigkeit, öffnet Sie endlich die Türe und wir laufen ins Freie. Ich erkenne sofort, wenn dieser verräterische Geruch in der Luft liegt, den fremde Katzen hinterlassen, wenn sie in unserem Garten zu Besuch waren. Dann laufe ich eilends eine Gartenrunde, um sie zu vertreiben. Ich weiß, Sie mag das gar nicht, aber Sie weiß gar nicht, wie wichtig das für uns ist.

Wenn wir ins Auto einsteigen, bin ich immer Erster. Dann kommen Phoebe und Molly und ganz zum Schluss Stella. Stella vergißt manchmal, was zu tun ist und muss geholt werden. Währenddessen warten wir ungeduldig im Auto, dass wir endlich los fahren.

Sind wir dann einmal im Wald, versuche ich, die Führung zu übernehmen - es gibt nichts Spannenderes, als den Wald, wenn es noch nicht ganz hell ist. Ich höre die Blätter rascheln und weiß, es sind noch viele Tiere unterwegs. Ich sauge deren Gerüche ganz tief ein und weiß genau, wo sie lang gelaufen sind. Oft hat gerade erst eines unseren Weg gekreuzt und ich kann nicht anders, als die Spur ein paar Meter zu verfolgen. Ich weiß, dass ich nicht weiter darf, aber die paar Meter sind sehr aufregend.

Wenn Sie Leckerchen ins Gras wirft, vergesse ich die Spuren meist sofort wieder und suche im Gras nach den kleinen Futterstückchen. Damit alle erkennen, dass ich meines gefunden habe, kaue ich laut und schmatze dabei, auch wenn ich es völlig geräuschlos verschlingen könnte. Das wirkt - keiner sucht mehr weiter nach meinen Leckerchen. Aber ich helfe gerne den anderen beim Suchen ihrer Leckerchen. Leider funktioniert das nicht immer - Sie passt auf und erlaubt es nicht, wenn Sie es sieht.

Sobald wir aus dem Wald zurück sind, gibt es Beute. Molly regt das sehr auf. Sie läuft unablässig im Kreis und stolpert dabei gegen unsere Beine und über alles, was ihr im Weg ist. Das hört erst auf, wenn Sie das Futter bringt und in unsere Schüsseln oder im Garten ins Gras verteilt.

Danach geht Sie meistens alleine jagen. Sie geht sehr lange jagen, aber wir warten geduldig auf Ihre Rückkehr, weil wir wissen, dass Sie uns dann mit nimmt auf die Jagd.

Während Sie jagen ist, bewachen wir den Garten und das Haus. Dazu gehört, dass wir den großen Garten außerhalb des Zaunes beobachten und jede Katze, die sich in die Nähe wagt, lauthals verbellen. Das machen wir meist alle zusammen. Stella und Molly machen nur mit, weil es alle tun. Phoebe mag Katzen ebenso wenig wie ich und sie ist voller Elan mit dabei. Sie legt sich so richtig ins Zeug. Leider stört das die Katzen nicht im Geringsten - sie sehen frech zu uns herüber und tun dann so, als wären wir nicht da. Das ist sehr ärgerlich. Wenn Sie zuhause ist, macht es noch viel mehr Spass, die Katzen zu verbellen. Sie ruft uns dann zu sich und es gibt ein Leckerchen. Wir bellen dann oft, auch wenn wir keine Katze sehen, damit wir ein Leckerchen bekommen.

Wir erkennen auch, wenn einer der Nachbarshunde vor einem fremden Eindringling warnt und bellen eifrig mit, um diesen zu vertreiben, selbst wenn wir nicht sehen, wer es ist. Das gehört sich so - in der Nachbarschaft halten alle Hunde zusammen. Selbst, wenn wir uns nicht mögen, wenn wir uns mal zufällig beim Spazieren treffen. Aber beim Verbellen sind wir eine große Einheit, die zusammen hält (und zusammen bellt).

Im Herbst vergehen die Tage rascher als sonst. Dann werfen die Bäume in unserem Garten nicht nur Blätter und kleine Äste ab, sondern auch leckere Zwetschken und etwas später zudem noch Nüsse. Wir alle lieben diese Sachen - sie sind wirklich gut und wir achten drauf, dass nichts liegen bleibt. Alles wird gefressen, kaum dass es den Boden berührt hat.

Ansonsten kann es ganz schön langweilig werden. Phoebe fordert mich dann mit wildem Herum Gehopse zum Spielen auf, aber ich habe wirklich keine Lust zu solchen Kindereien. Hin und Wieder kommt es jedoch vor, dass sie sich bewegt wie ein Hase. Und plötzlich denke ich, sie ist ein Hase und jage sie durch den Garten, dass ihr vor Schreck die Luft weg bleibt. Wenn sie sich dann entsetzt unter einen Busch flüchtet oder auf den Rücken wirft, gebe ich ihr einen Stupser und wende mich desinteressiert ab, damit sie weiß, dass ich nur Spass gemacht habe.

In der warmen Jahrszeit teilen wir den Garten nicht nur mit der meist übel gelaunten Katze Buffy, sondern auch mit fünf wandelnden Steinen. Sie bewegen sich nur sehr langsam und wenn wir sie berühren, verschwinden Beine und Kopf und sie liegen ganz still da. Im Grunde sind sie uns egal - wir bemühen uns aber, nicht auf sie drauf zu steigen.

Im Garten gibt es sehr viele Wasserquellen - das ist toll. Überall stehen flache Schüsseln mit Wasser, Kübel voller Wasser, aber am besten schmeckt das Wasser aus den Gießkannen. Man muss die Zunge ganz weit raus strecken, damit man dran kommt. Morgens geht es noch einfacher, aber am Nachmittag haben wir meist schon so viel getrunken, dass nur mehr wir Großen mit unseren langen Zungen an das köstliche Wasser kommen.

Wir wissen genau, wann Sie nach Hause kommt. Wenn wir Ihr Auto hören, laufen wir schon sehr aufgeregt zum Tor und warten dort, bis Sie endlich aufmacht und herein kommt. Es ist ein wunderbarer Moment und wir wollen sie alle als erster begrüßen. Ich spüre dann plötzlich so viel Energie und Bewegungsdrang, dass ich auf Stella springe, obwohl ich weiß, dass Sie das gar nicht mag und mich dann böse ansieht und sehr ernst anspricht. Aber ich kann einfach nicht anders in dem Moment - ES ist zu stark.

Dann müssen wir, obwohl uns nach Rennen und Springen ist, noch kurz auf unserer großen Decke liegen und warten, bis Sie uns die Halsbänder und Geschirre anlegt und wir ins Auto springen dürfen. Nun geht es auf zur zweiten gemeinsamen Jagd des Tages. Wir treffen dabei oft Hundefreunde oder lernen neue Hundefreunde (oder -feinde) kennen. Es ist nicht so interessant wie morgens, weil es wenig frische Gerüche von den Wald- und Feldtieren gibt.

Aber dann suche ich eben nach Leckereien im Gebüsch, die andere Menschen oder Tiere hinterlassen haben. An manchen Tagen findet sich so einiges Schmackhaftes. Sie mag das überhaupt nicht und spricht und sieht mich dann böse an. Sie spielt aber auch meist mit uns und macht Spass, sodass die Jagd viel zu schnell vergeht und keine Zeit bleibt, nach köstlichem Unrat Ausschau zu halten. Wieder zurück im eigenen Revier wird Beute verteilt (wieder in Schüsseln oder im Garten). Egal wo, jeder versucht seinen Anteil so rasch als möglich zu verschlingen. Fast immer bin ich erster und "helfe" dann den anderen beim Suchen.

An manchen Tagen geht Sie mit uns in den Garten und wir machen Tricks oder jagen Bällen hinterher. Oder wir laufen zwischen Stangen im Slalom durch und springen über andere drüber. Das können alle und wir wollen auch alle gleichzeitig dran kommen. Genau das mag Sie aber gar nicht, und so spannt Sie uns auf die Folter und nimmt immer nur einen von uns dran. Es ist sehr schwierig auf einem Platz zu warten, während Sie mit nur einem von uns Tricks übt und Leckerchen gibt. Wenn ich dann endlich dran bin, kann ich gar nicht genug davon bekommen und hoffe, dass es nie aufhört.

Aber leider vergeht auch das meist viel zu schnell. Trotzdem folgt dann noch eine großartige Sache. Manchmal sind wir jedoch besorgt, dass Sie drauf vergessen könnte und starren Sie daher so lange an, bis Sie sich erinnert und sich auf macht zur großen Tonne im Stiegenaufgang vom Keller. Wir bekommen dann alle noch ein getrocknetes Ohr zum Kauen. Und weil ich der Größte und Stärkste von uns allen bin, bekomme ich das größte und beste Ohr. Dennoch bin ich immer als erster fertig und setze mich im Garten an den Zaun, um die Umgebung zu beobachten, bis es dunkel wird.

Wenn es dann so finster ist, dass ich nichts mehr sehen kann und rundherum alle schlafen gehen, ziehe ich mich zurück ins Haus zu den anderen. Ich suche mir einen gemütlichen Platz für die Nachtruhe in Ihrer Nähe in der Hoffnung, dass Sie Ihre Hand ausstreckt und mich an der Stelle hinterm Ohr krault, wo es so wahnsinnig gut tut, dass ich nicht anders kann, als genüsslich zu brummen. Draussen höre ich vereinzelt noch die Nachbarshunde bellen, welche die Nacht einsam im Garten verbringen müssen. Dann drehe ich noch einmal meinen Kopf, lecke dankbar die Hand, die mich streichelt, grunze mich seelig in einen Tiefschlaf in absoluter Sicherheit und Geborgenheit.

 

Sonntag, 4. Januar 2015

Große Persönlichkeiten

Aus rund 20 Jahren Zusammenleben mit verschiedensten Typen von Hunden ist die herausragende Erkenntnis: es ist völlig egal wie groß oder wie alt sie sind, unerheblich welches Geschlecht oder welche Veranlagung, nicht wichtig, welche Vorgeschichte - es gibt immer einen gemeinsamen Nenner und der bin ICH! Nicht dass ich mich grundsätzlich so unheimlich wichtig nehme, aber für mein Rudel bin ich nun mal das Wichtigste. Und mit meinem Verhalten präge ich meine Bande, ob es nun ein, zwei, drei oder vier sind.

Alle passen sich an und es ist faszinierend, wie viele Gemeinsamkeiten sie auf diese Weise entwickeln. Jedes neue Mitglied lernt, der eine rascher, der andere wieder langsamer, wie bei uns der Hase läuft.

Aber neben dieser wundervollen Eigenschaft, die uns zusammenhält und ein für uns alle angenehmes Zusammenleben überhaupt erst möglich macht, gibt es dennoch viele individuelle Eigenschaften und Persönlichkeitsmerkmale, die jedes einzelne dieser Wesen zu etwas Einzigartigem und Besonderen machen.



Zum Beispiel Phoebe mit der coolen Rasta-Frisur: sie verbellt böse Geister im Garten; bei jedem neuen Betreten ist dieses Ritual erforderlich: die ersten Runden im Garten werden begleitet von ununterbrochenem Bellen gedreht, bis sicher gestellt ist, dass alles, was nicht in den Garten gehört, weggelaufen oder geflogen ist beziehungsweise sich verkrochen hat. Phoebe kann auch singen - ihre unvergleichliche Sopran Stimme würde sogar Anna Netrebko vor Neid erblassen lassen.

Und Schlafen gelegt wird aus Prinzip erst dann, wenn ein ordentliches Nestchen gebaut ist. Dem voran geht ein Scharren, ein Schieben, ein Wuzeln und ein Drücken. Da werden Polster zerknautscht, Teppiche in Ziehharmonikaform gelegt oder Stofftiere zur Unkenntlichkeit zusammengedrückt. Dann wird begutachtet und Probe gelegen, aber erst wenn als gemütlich und liegenswert befunden, wird auch wirklich geruht.


Molly ist die Dame mit den Ritualen - allen voran das Putz- und das Drehritual. Schmutzige Futterschüsseln gibt es bei uns nicht mehr, seit Molly die Zuständigkeit dafür übernommen hat. Ergänzt wird dies durch ein vorangehendes Futterritual. Sobald der Napf leer ist und die paar Stückchen, die Frauchen "irrtümlich" immer daneben verstreut, auch eingesammelt sind, muss Madame mal - und wenn's nur ein paar Tröpfchen sind.
Und Niederlegen geht frühestens nach der 5. vor der gewählten Schlafstatt gedrehten Runde. Es mutet beinahe autistisch an, dieses zwanghafte im Kreis rennen bevor sie endlich zur Ruhe kommt. Noch seltsamer: je weiter oben die Schlafstatt, desto länger wird gedreht. Als müsste sie sich erst Mut und Kraft für den Sprung andrehen.



Balu ist der Traum aller Mädels im Haus. Nur ganz selten sieht man ihn alleine liegen. Immer kuschelt sich grade eine an ihn. Kein Wunder - er ist ein richtiger Schmusetiger. Balu sucht die Nähe wie die Motte das Licht. Um dieses Ziel zu erreichen, ist ihm jedes Mittel recht. 


 
Kommt Freundin E. zu Besuch, nimmt Balu wie selbstverständlich auf Ihrem Schoß Platz. Ebenso erfinderisch ist der Bub bei seinen Kuschelversuchen. Eine zum Trocknen ins Handtuch gewickelte Stella wird hier kurzerhand zur Couch umfunktioniert.




Ich denke, mein Kampfschmuser ist im falschen Körper geboren worden. 20kg weniger wären für einen derart liebes- und nähebedürftigen 4-Beiner das zweck-dienlichere Gewicht gewesen.

Stella ist die ungekrönte Königin unseres Rudels. Sie kam als erste und geht dennoch immer als letzte (beim Spazieren). Stella löst bei völlig Fremden einen spontanen Kuschelzwang aus. Nicht erst einmal wurde sie von fremden Frauen beim Spazieren nach ausgiebigem Durchwalken einfach umarmt, geherzt und gedrückt. Und was macht Stella in solchen Fällen? Sie hält still, läßt gewähren, alles gutmütig über sich ergehen und mir scheint, sie genießt es in vollen Zügen. Die gute Stella, die alle Leute verbellt und verknurrt hat, die niemanden in ihrer Nähe haben wollte und die sich vor lauter Angst nur im Rückwärtsgang wegschob von anderen Menschen und die im Leben nicht auf den Gedanken gekommen wäre, sich an ein fremdes Knie zu schmiegen, sich von fremden Händen das Fell durchkämmen zu lassen und fremde Arme um ihren Hals zu dulden.
Stella hat gelernt zu genießen und nun lehrt Stella uns Ruhe und Langsamkeit in einer Zeit der Eile, des unausweichlichen Speed, mit dem unser Leben dahin rast. Stella ist unsere Mitte, unser "Om". Selbst wenn ich manchmal wünschte, sie hätte einen eingebauten Düsenantrieb, den ich nach Bedarf auch mal einschalten kann, wenn sie wieder mal Raum und Zeit vergißt im seeligen Zeitunglesen an einem Grashalm - selbst dann bin ich froh, dass Stella mich gefunden hat und ich durch sie und an ihr die Freude entdecken durfte, die es tagtäglich bereitet, wenn man einem bereits abgeschriebenen Tier eine zweite, dritte oder x-te Chance auf ein schönes Leben geben kann.

Donnerstag, 18. September 2014

Zum Fressen gern

"Mein Hund teilt sich's ein."
"Ich mach mir Sorgen um meinen Hund! Der frisst zu wenig."
"Bei uns ist der Futternapf immer voll, damit unserer nicht hungern muss."
"Ich kauf keinen großen Futtersack - meiner hat dasselbe Futter rasch satt."
"Training mit Leckerlis geht bei uns nicht - das interessiert meinen nicht!" 

Ich kann's kaum glauben, wenn ich sowas von anderen Hundehaltern höre. Für mich klingt das, als erzählt einer, dass sein Hund jeden Morgen die Zeitung holt ... aber mit dem Auto. Völlig unglaublich! Wenn meine Bande Futter kriegt, zähl ich danach meine Finger und sehe die Kollegen 1 Stunde nach der Fütterung immer noch bei der Bröselkontrolle an den Näpfen. Denen könnte ich gammlige Schuhsohlen braten. Selbst die wären ratz-putz weg.


Mit Futter erreicht man bei meinen haarigen Mitbewohnern fast alles. In wenigen Ausnahmesituationen sind grade mal Hütewischmobb und Kampfschmuser unbestechlich. Für Balu hätte man eine zeitlang ein frisch geschlachtetes Huhn voraus werfen können und er hätte beim Tierarzt dennoch keinen Schritt in Richtung Behandlungszimmer gemacht. Wenn Phoebe ihren Job, sprich Verbellen, macht, dann verliert ein Leckerli mitunter vorübergehend seine Überzeugungskraft.

Aber aufgepaßt: Leckerlis verteilen OHNE vorhergehendes Sicherheitstraining wäre so, als würde man eine blutende Hand in ein Piranha-Becken stecken.

Dabei ist das Schließen des Hundekiefers noch bevor die Hand das Maul verlassen hat an sich ja noch nicht das Schlimmste. Der sog. Fingerschäler - der tut richtig weh. Dabei schließt sich der Hundekiefer während Zeigefinger und Daumen noch das Leckerli im Maul des Hundes umschließen, und zeitgleich zieht der Hund sein Maul mit zusammen gedrückten Kiefern zurück: Fingerschäler.

Klug ist, wer dem Hund frühzeitig das Fangen aus der Luft lernt, denn auf diese Weise kann ein schmerzhaftes Zusammentreffen von Zähnen und Fingern in den meisten Fällen erfolgreich vermieden werden. Blöd ist, wenn der Hund das Leckerli zu fangen versucht, bevor man es hat fallen lassen.


Molly, unser Golden Girl, ist das extremste mir bekannte Hundewesen beim Thema Futter. Für solche Fälle (wie auch bei Pferden) ist üblicherweise die Gabe aus der flach geöffneten Hand ratsam. Dabei liegt das Leckerli in der Handmitte - wenige Hundemäuler gehen soweit auf, dass sie dabei die ganze Hand aufnehmen können. Bei Molly geht das, irgendwie. Da passiert es auch schon mal, dass ein Leckerli in den Weiten ihres Mauls verschwindet. Ja, richtig - es verschwindet, löst sich auf, fliegt davon, was weiss ich. Fakt ist, Molly packt es und weg isses. Sie sucht dann verwundert und scheint sich selbst zu fragen, wo es abgeblieben sein könnte. Erklären kann ich das nicht - es ist auch keines jemals wieder aufgetaucht. Nachforschungen haben bislang keine sinnvollen Erklärungen für dieses höchst suspekte Phänomen geliefert.


Am liebsten verstecke ich beim Spazieren kleine Leckereien im hohen Gras oder in Büschen. Dabei kommt es im Normalfall zu keinem schmerzvollen Kontakt zwischen Menschenhand und Hundezähnen und die Nasen sind beschäftigt, was wiederum dem Hund gefällt, weil es eine Art Jagd simuliert. Manche behaupten, so würde man dem Hund beibringen, auch anderen Unrat, den er findet, zu verschlingen.
Ich behaupte, damit bringt man dem Hund rein gar nichts bei. Das steckt dem Hund in den Genen. Das ist ein Urinstinkt. Das muss man ihm nicht erst lernen. Den Waldboden in unserem bevorzugten Wandergebiet überzieht in regelmäßigen Abständen eine LKW-Ladung mit getrocknetem Brot. Ein guter Mensch möchte hier seinen Wohlstand offenbar mit den Rehen und Wildschweinen des Waldes teilen, nichts ahnend, dass sicher keines dieser scheuen Viecher jemals ein Stück davon abbekommen hat, dafür die dort spazierenden Hunde zuhause keine Mahlzeit mehr brauchen, weil sie sich unterwegs schon den Bauch mit Brot vollgeschlagen haben.
 

Trotz ihrer Leidenschaft sind meine Vielfraße schlank und rank. Die Ursache liegt wohl einerseits darin begründet, dass wir verdammt viel unterwegs sind. Wenn ich aber ehrlich bin, muss ich gestehen, dass es vielmehr daran liegt, dass ich ersatzhalber an den Hunden die Disziplin auslebe, die mir bedauerlicher Weise an mir selbst nicht gelingt.


Montag, 14. Juli 2014

Auf die Pfoten, fertig, los!!!!

Als Hundehalter lernt man rasch, dass plötzlich nichts mehr so ist, wie vor der Machtübernahme durch den sabbernden, ganzkörperbehaarten Gefährten.

Soziale Kontakte ändern sich grundlegend. Begrüßt wird man, wenn überhaupt, erst ganz zum Schluss ... im Idealfall. Im schlimmsten Fall murmelt man ein paar Worte der Entschuldigung und versucht flott Meter zwischen sich und den fluchenden Passanten mit den grauen Pfotenabdrücken am hübschen beigen Blazer zu bringen.

Herrlich ist das Aufstehen am frühen Morgen - lauter gut gelaunte Fell-Gesichter ... der erfreuliche Ausgleich zum Ausdruck in den Gesichtern der menschlichen Familienmitglieder oder Bürokollegen um 8.00 Uhr morgens, welcher von "red mich ja nicht an, sonst sind wir Feinde für's Leben" über "wenn nicht gleich der Kaffee fertig ist, muss ich dich töten" bis "wenn du jetzt fragst, bis wann ich deinen Bericht fertig habe, stürze ich mich aus dem Fenster" rangiert.

Nicht immer ist jedoch das Erwachen mit den 4-Beinigen ein erfreuliches. Es gibt Tage, da wird das Läuten des Weckers ersetzt durch das ebenso alarmierende Würgen einer Fellnase, die sich das Abendessen zur Sicherheit noch einmal durch den Kopf gehen läßt und auf der Suche nach einem dafür geeigneten Untergrund (immer ein Teppich) durchs Schlafzimmer irrt. An solchen Morgen geht alles flotter, denn auch das Frühstück hat sich damit meist erledigt.

Andererseits, vergreift man sich einmal im Ton oder steht nicht sofort zur Verfügung, wenn 4-Beiner Aufmerksamkeit fordert? Kein Problem, wir sind nicht beleidigt, wir wollen kein tolles Versöhnungsessen oder -geschenke und auch keinen Versöhnungssex. Wir erinnern nicht noch Tage später daran und halten derart ein mega-schlechtes Gewissen am Leben. Wir brechen auch keinen Streit vom Zaun, um gleich noch die 50 anderen Punkte, die schon längst diskutiert hätten werden müssen, aufs Tapet zu bringen. Mit Nichten. Ein Blick, ein nettes Wort und die Welt ist für Wuffi wieder in Ordnung.

Das eine oder andere Loch im Garten, ein zerrupfter Teppich, ein Schuh in Einzelteilen oder ein Spielzeugfragment (der Rest wurde vergraben - dafür das Loch) sind ja schließlich dankbare Alternativen für Aufmerksamkeitsdefizite oder Fadesse während der Arbeitszeit.
Wenn's drum geht, was wir angehen, dann löst jeder noch so banale Vorschlag großen Beifall und begeistertes Wedeln aus. 
 
Gehen wir spazieren? Jajajajaja!!!!! Gehen wir zur Kimi spielen? Jajajajaja!!! Wie steht's mit einer Runde Ball werfen im Garten? Jajajajajaja!!!!! Einfach nur 'rumliegen und Kuscheln? Jajajajajaja!!!

Im Vergleich dazu der Versuch, einen pubertierenden Teenie zu bespaßen: Hey, was ist los? Lust auf eine Runde Tischtennis? Jetzt gleich? Nein. Bin müde.... Wie sieht's aus? Kommst mit auf eine Runde Schwimmen und hinterher ein Eis? Puhhh, nein du, ist mir zu öde und viiiiiel zu heiß draussen ..... Ich dachte, ich hol mir eine Pizza vom Italiener. Kommst du mit? Italiener? Hhhmmm, nein, weiss nicht, vielleicht .....

Ich bewundere sie oftmals für ihre unkomplizierte Art, dafür, dass sie etwas schaffen, wofür wir Menschen mitunter langjährige Psychotherapien, viel Geld und das oftmals völlig umsonst opfern, nämlich einfach im Hier und Jetzt zu leben, dieses zu schätzen und zu genießen und das bei bester Laune und jederzeitiger Bereitschaft zum gemeinsamen Pferde stehlen mit Partner Mensch.

Dienstag, 10. Juni 2014

Molly - die Neue

In weniger als 2 Wochen haben wir Grund zum Feiern: Molly ist vor 1/2 Jahr in die Mensch-Hunde-WG im kleinen Landhaus eingezogen. Und in dieser Zeit hat es uns die kleine Ungarin gezeigt. Molly hat bewiesen, dass sie klug ist. Molly hat gezeigt, dass sie sich durchsetzen kann. Und sie hat unglaubliche Anpassungsfähigkeit bewiesen. Lasst euch mal erzählen, was die Highlights dieser Zeit waren und welche Molly's INs und OUTs sind.

Ein IN der ersten Stunde war und ist für die Dame das Fressen! Seit Molly da ist, sind die Hundenäpfe immer blitz-blank geputzt. Molly kontrolliert das akriebisch bis zu 5x pro Napf und Mahlzeit. Die Stunde nach der Fütterung macht Molly ihren Job und checkt der Reihe nach durch, ob ja nirgends noch ein Brösel Futter ist, das seinen Weg nicht in einen Hundemagen gefunden hat.

Ein klassisches OUT ist Spazieren bei Regenwetter. Dabei strapaziert sie meine Überredungs- und Überzeugungskünste bis aufs Äußerste. Das erste Hindernis ist dabei der Weg durch die Haustür ins Freie. Und beim Aussteigen aus dem Auto beim Wald wartet schon die nächste Herausforderung. Bei solchen Gelegenheiten zeigt Molly ihren ausgesprochen starken Willen - an schlechten Tagen nenne ich es eher Sturschädel. Sie ist an Hartnäckigkeit kaum zu überbieten. 
 
Da erklärt sich das nächste IN von selbst: Molly ist eine Sonnenanbeterin UND eine Türdackerlbesetzerin. Witzig ist bei der Gelegenheit zu beobachten, dass Phoebe sich meist in ihrer Nähe aufhält. Entweder versucht sie ihre Stellung im Haus zu halten oder sie mag die kleine Goldie einfach und fühlt sich wohl in der Nähe von jemandem ihrer Größenordnung. Phoebe hat zwar ihrerseits die Großen fest im Griff, aber wenn sie mal jemanden auf ihrer Augenhöhe braucht, dann ist Molly nun angesagt.

IN oder OUT ist noch nicht ganz sicher beim Thema Schwimmen. Die gute Nachricht vorne weg: Molly KANN schwimmen. Bei der Affenhitze der letzten Tage war es nicht mal so schwer, sie ins kühle Nass zu locken. Die schlechte Nachricht: Molly ist nun ein Hund mehr, der sich von Grillresten und sonstigen essbaren menschlichen Hinterlassenschaften wie magisch angezogen fühlt. Der Weg zum Wasser ist ein Spießrutenlauf der Sonderklasse. Hier werden meine Flexibilität, Reaktionsgeschwindigkeit und Multitaskingfähigkeit auf die Probe gestellt. Und die Hunde lernen auszutesten, wie tief im Hals muss die Leckerei schon stecken, damit der lange Arm der Gruppenführerin sie nicht mehr erreicht. Ja Leute - da kenn ich keine Skrupel und ekeln darf man sich auch nicht. Aber das ist sowieso etwas, das man sich als Hundehalter nicht leisten kann.

IN sind lange Spaziergänge im Wald - auch nach 4,5 Stunden sind keine Ermüdungserscheinungen zu erkennen. Super IN sind Wildspuren. Da wird der Turbo eingeschalten - unglaublich, dass so kurze Beine so flott sein können. Hier gilt es, den richtigen Zeitpunkt für den Rückruf zu wählen. Zu spät bedeutet, zurück zum Auto, Molly von dort abholen und nochmal los gehen.

OUT ist bei Molly auf jeden Fall Stress - wenn zu wild gespielt wird oder Hunde sie belästigen, kommt sofort der Turbo zum Einsatz. 

Aufgrund eingeschränkten Seh- und Hörvermögens kann es mitunter auch vorkommen, dass Molly zur falschen Person zurück läuft und sich mit zusammen gezwickten Augen bemüht zu erkennen, ob es eh Frauchen ist, wo sie grade brav wedelnd um ein Leckerli ansteht.
 
Nach so einer anstrengenden Runde wird ausgiebig geruht und dabei ist es egal, mit wem man sich den Schlafplatz teilt. Buffy liegt gerne bei Molly, weil die Gefahr, dass sie plötzlich bellend aufspringt äußerst gering ist und Buffy ist schließlich in einem Alter, wo der ungestörte Schlaf ungemein wichtig ist. 
Zwar sind die Nächte nicht mehr lang, die Jagdausflüge meist erfolglos und die Raufhändel mit anderen Felltieren derselben Art werden mittlerweile tunlichst gemieden, aber man ist ja jetzt quasi in Pension und möchte diese auch entsprechend genießen.



TOTAL IN waren die Schildkröten die ersten paar Wochen nach dem Auswintern. Molly hat tagelang ihre Spuren im Garten verfolgt, war völlig aus dem Häuschen und hat kaum zur Ruhe gefunden. Vorübergehend war ihre Begeisterung so mitreißend, dass es auch Phoebe wieder gepackt hat und sie etwas mehr Interesse an den wandelnden Steinen gezeigt hat.
Am aufregendsten war es dabei, wenn ich selbst mich für eine der Kröten interessiert und diese vielleicht sogar hoch gehoben habe. Molly hat versucht sie vor mir abzuschirmen - ich denke, sie wollte sie als ihren Besitz deklarieren und verhindern, dass ich sie ihr wegnehme. Aber mittlerweile ist an den 5 sich ständig fressend und viel zu langsam durch den Garten wälzenden Steinen nichts besonderes mehr dran und sie werden nicht mal mehr ignoriert.

OUT ist bei Molly auch das Thema Gewitter. Nicht dass es jetzt notwendig wäre, dass es mordsmäßig blitzt, donnert und stürmt - Molly hat erkannt, dass Gewitter immer mit Regen zu tun hat, also reicht schon Regen, um sie auf die Palme bzw. aufs Bett zu bringen. Molly schafft es, bei plötzlich einsetzendem Regen, mit einem einzigen Satz ca. 2m Länge und 40cm Höhe (!!!) zu überwinden und zielsicher im Zentralbereich meines Bettes zu landen. Beim Runterheben wird sie ca. 40 kg schwer und 3 m lang. Unten angelangt reicht ein Bruchteil einer Sekunde in dem sie sich wieder zurück aufs Bett katapultiert, um dort sofort wieder die eben beschriebenen Körpermaße einzunehmen.

Ich will nichts beschönigen - Molly und ich, wir haben gute und schlechte Zeiten. Wir sind immer noch dabei, uns kennen zu lernen und ich will gar nicht so genau wissen, was sie über mich schreiben würde, wenn sie es könnte. Fakt ist aber, und das wird mir im Rückblick immer wieder bewußt, dass sie sich wunderbar eingefügt hat, unglaublich gut zu uns passt und sich als heller strahlender Fleck unter den Schwarzen verdammt gut macht!


Montag, 24. Februar 2014

Hundesparkasse


Also gleich zu Beginn muss ich meinem Unmut freien Lauf lassen, was Versicherungen angeht. Offenbar zählen Versicherungen üblicherweise nur bis 3, denn ab dem 4. Hund wird man empfindlichst zur Kasse gebeten, was die Hundehaftpflicht angeht. Da überlegt man als Hundehalter schon mal kurz einen Abstieg in die Illegalität und dass man es im Ernstfall immer noch auf einen der 3 anderen schieben könnte.

Fair ist die Gemeinde. Da steht 4 x 21,80 Euro auf der Hundesteuerabrechnung für 2014. Wenn man dann aber bedenkt, dass die kleinen Hunde viel weniger .... Aber egal, Hauptsache kein Quatro-Sprung.
Da lob ich mir das Bundesministerium mit seiner Heimtierdatenbank, die völlig kostenlos ist. Jaja, bestimmt nicht für den Steuerzahler, aber an der Oberfläche eben für den Hundehalter. Obwohl, letztens bin ich schon fast an die Decke gegangen. Da kam das sagenhaft unverfrorene Angebot von IFTA (Organisation für Internationale Tierregistrierung), die Registrierungsdaten von Balu in besagter Heimtierdatenbank gegen eine kleine Gegenleistung von 25,- Euro für mich durchzuführen. Habe ernsthaft in Erwägung gezogen, eine verbale Briefbombe zu retournieren. Nicht einmal so sehr wegen der 25,- Euro, aber was ist mit Stella? Beide wurden gleichzeitig gechippt und beim älteren Hund nehmen die automatisch an, dass der Chip schon unter der Erde verrostet, oder wie?

Auch wurscht - selbst ist die Frau. Wie seit Längerem geplant, ließ ich mein Smart-Phone zur Bürgerkarte umfunktionieren (ja, das würde jetzt einige interessieren, wie das geht - gaaaanz einfach, sag ich nur) und kann nun nicht nur in meinem Pensionskonto sehen, wie erschreckend viele Jahre zu einer verdienten Pension noch fehlen, sondern auch die Daten meiner Hunde selbst pflegen beim Bundesministerium für Gesundheit. Und das für bereits erwähnte 0,- Euro .....
Und zur Abwechslung mal was Positives: Österreich ist quasi tollwutfrei - jippieeeeje. Und somit sind die jährlichen Impfungen beinahe schon ein "mit Kanonenkugeln auf Spatzen schießen". Haben wir beim letzten Impftermin noch knapp 300,- Euro (weinend und widerwillig) berappt, werden wir dieses Jahr einfach ausfallen lassen - Heureka! Und nächstes Jahr gibt's in der Tierklinik Mengenrabatt ab 4 Hunden. Was tu ich dann mit dem vielen Geld das mir übrig bleibt? Vielleicht wieder mit dem Rauchen anfangen, Nr. 5 ins Haus holen oder lieber doch in einen neuen Tiertransporter (der alte hat schon 271.000 km auf der Achse) investieren?


Aber es gibt ja noch genug "tolle" Alternativen - hier ein paar Zahlen zur Orientierung: 2013/14 haben alleine für die Beißerchen der lieben Scheißerchen rund 800,- Euro das Bankkonto gewechselt. Damit Puli keine kleinen Pumis wirft, sind 700,- Euro von hinnen nach dannen gewandert. Die bereits erwähnten 300,- Euro für die Impfungen mit fraglicher Notwendigkeit und noch rund 500,- Euro für "Diverses" (Allergietests, Bluttests, Entwurmung, Entfloh-und-zeckung, etc.). Und dabei sind meine Partner mit der kalten Schnauze ausgesprochen robuste Modelle!
Nun sind wir theoretisch beinahe schon pleite und dabei haben die 4-Beinigen noch nicht mal gefressen oder genagt oder gespielt oder im gemütlich kuscheligen Körbchen (die bekanntlich auch nicht auf Bäumen wachsen) geknotzt. Alleine 10 Stunden Agility mit anderen Minikins am privaten Trainingsplatz von M. in Sauerbrunn haben mich um 145,- Euro erleichtert.

Der aufmerksame Leser erkennt bereits, worauf es hier hinaus läuft: es sind nicht Liebe, Führungsqualitäten, Hoarding-Neigung oder der Tierschutzgedanke, welche entscheidend sind bei der Anschaffung eines oder mehrerer Hunde. Einzig und allein der Kontostand und das Geldbörserl entscheiden, ob Hund oder Nicht-Hund - nur das, ist hier die Frage!

Aber jetzt mal ernst:
der Hund ist leider nicht mehr nur der Partner mit der kalten Schnauze, sondern ein eiskaltes Geschäft mit unglaublich vielen verschiedenen und undurchsichtigen Bereichen und Branchen geworden. Am schlimmsten ist, dass es in vielen Fällen dazu führt, dass zahlreiche arme 4-Beiner fürchterlich darunter leiden müssen. Hundeflüsterer und -schweiger wachsen aus dem Boden wie die Schwammerl ebenso wie Hundetrainer und zahlreiche Ausbildungsangebote zu Trainern (niemals kostenlos, aber oftmals umsonst). Massenzuchtfarmen in Osteuropa liefern frei Haus psychisch und physisch schwer kranke Welpen von jahrelang unter grausamen und unwürdigen Bedingungen gehaltenen Hündinnen, die mehrmals jährlich werfen müssen und sofort "aussortiert" werden, wenn sie nichts mehr bringen. Ja sogar "Strassenhunde" werden nun, wenn man den Zeitungsberichten glauben darf, schon "gezüchtet", um so am Mitleid der Leute und dem Wunsch, etwas Gutes zu tun und zum Tierschutz beizutragen, zu verdienen.

Liebe Leute, lasst euch von eurem Hausverstand leiten und nicht von Gefühlen oder Mitleid, wenn ihr euch für ein Haustier und in weiterer Folge für die Art und Weise der Haltung entscheidet. NIEMALS einen Welpen aus dem Kofferraum, aus einem Zoofachgeschäft oder den super-günstigen Rassehund aus dem Internet kaufen!!! Setzt euch mit dem Wesen eurer 4-beinigen Partner auseinander und folgt nicht jedem Trend, auch wenn es im 1. Moment noch so logisch oder toll klingen mag. Beobachtet euren Hund, wie er mit anderen Hunden kommuniziert und sich mit ihnen arrangiert. Am meisten könnt ihr von ihm selbst lernen. Oder hat sich noch niemand gefragt, warum unsereins 50 mal "Aus" sagen muss, bis es Freund Hund kapiert bzw. befolgt, während Nachbars Hündin dasselbe mit einem einzigen strengen Blick schafft?

Samstag, 22. Februar 2014

Molly in the house


"Was mach ich hier bloss?" hab ich mich in den ersten Tagen mit Molly immer wieder gefragt. Bin hin und her geschwankt zwischen Euphorie und Verzweiflung und hab überlegt, ob sich dieses zwanghafte Hund-haben-wollen wohl noch psychologisch behandeln läßt. 



Nun nach 2 Monaten und so einigen Mißverständnissen fangen die kleine Molly und ich langsam an, uns zu verstehen. Vielleicht hätten ein paar Worte Ungarisch den Start einfacher gemacht, aber mit Hündisch finden wir nun auch endlich einen gemeinsamen Weg.

Und das geht nicht nur mir so. Kontaktliegen der 4-Beiner ist inzwischen nichts, das mir noch Tränen in die Augen treibt (ausgenommen es ist neben meinem Bett und sie leiden unter Flatulenzen).
Dass die "Neue" unheimlich verfressen ist, ist ein wahrer Segen. Für Futter tut sie alles und mit Futter zeigt sich auch, wie lernfähig Goldie ist. Futterball, Brettspiel, Leckerli verstecken - sie ist überall vorne mit dabei. Die anderen müssen sich jetzt wieder ein wenig mehr anstrengen, wenn sie auch zu etwas kommen wollen und Stella ist ein Spezialfall geworden - hier müssen 3 Hunde ausgetrickst werden, damit ein vierter zu seinem Leckerli kommt. Eine richtige Herausforderung!

Das Schönste ist, dass wir nun endlich auch eine Gegend gefunden haben, in der ich (nur ganz selten) wie der bereits beschriebene Wanderzirkus bestaunt werde, weil wir dort nicht die einzigen mit mehreren Hunden sind. Ausnahmen bestätigen jedoch die Regel - vor kurzem traf ich genau dort meine Meisterin - eine Sheltie-Züchterin mit 5 (!!!) Hunden. Wir waren uns sofort sympathisch und als wir dann zu zweit mit 9 Hunden dahin wanderten, waren auch die Leute überwältigt und da war er auch wieder, der Wanderzirkus-Effekt.


Molly hat mit solchen Runden kein Problem. Molly stört es nicht mal, wenn sie von spielenden Hunden überlaufen wird. Molly passt sich jeder Situation an und Molly hält Augenkontakt wie ein Hypnotiseur. Man bekommt bei ihr den Eindruck, dass sie gelernt hat, Unerwünschtes auszublenden. So, als wäre es nicht da. Andererseits läßt sie sich durchaus von Stimmungen anstecken und das führt dann schon mal dazu, dass sie in einer aufgeheizten Spielerunde anfängt zu bellen, selbst Spieleposen zu machen oder sogar mitzulaufen. Also keineswegs abgestumpft oder in sich gekehrt.

Heute gab es bei uns Frischfleisch vom Lamm mit Ei und seit Mollys Fell wieder länger ist, bleibt auch der eine oder andere Rest im Bart hängen. Aber ich hab ja zum Glück Balu - er hat sich als Putzer angetragen, woraufhin Molly still gehalten hat und sich seelenruhig das Gesicht abschlecken ließ. DAS ist nun wieder eine Situation, wo ich denke, dass sich die Integration in die Gruppe positiv gestaltet und muss aufpassen, dass ich nicht gleich wieder vor Glück ....

Dass sie neuerdings in so einer Position entspannt und schläft, sich nicht sorgt um ihre verletzlichen Stellen und sich nicht mehr einringelt wie eine, die sich am liebsten wegbeamen würde, überzeugt mich, dass Molly hier angekommen ist, jetzt zu uns gehört und fixer Teil unseres kleinen "Rudels" geworden ist.

Und so ist die anfängliche Unsicherheit einem Gefühl unglaublichen Glücks gewichen, das man kaum beschreiben kann; das man einfach erlebt haben muss.

Vita non optanda, optanda sunt vivanda.
(Träume nicht dein Leben, lebe deine Träume!)