Montag, 14. Juli 2014

Auf die Pfoten, fertig, los!!!!

Als Hundehalter lernt man rasch, dass plötzlich nichts mehr so ist, wie vor der Machtübernahme durch den sabbernden, ganzkörperbehaarten Gefährten.

Soziale Kontakte ändern sich grundlegend. Begrüßt wird man, wenn überhaupt, erst ganz zum Schluss ... im Idealfall. Im schlimmsten Fall murmelt man ein paar Worte der Entschuldigung und versucht flott Meter zwischen sich und den fluchenden Passanten mit den grauen Pfotenabdrücken am hübschen beigen Blazer zu bringen.

Herrlich ist das Aufstehen am frühen Morgen - lauter gut gelaunte Fell-Gesichter ... der erfreuliche Ausgleich zum Ausdruck in den Gesichtern der menschlichen Familienmitglieder oder Bürokollegen um 8.00 Uhr morgens, welcher von "red mich ja nicht an, sonst sind wir Feinde für's Leben" über "wenn nicht gleich der Kaffee fertig ist, muss ich dich töten" bis "wenn du jetzt fragst, bis wann ich deinen Bericht fertig habe, stürze ich mich aus dem Fenster" rangiert.

Nicht immer ist jedoch das Erwachen mit den 4-Beinigen ein erfreuliches. Es gibt Tage, da wird das Läuten des Weckers ersetzt durch das ebenso alarmierende Würgen einer Fellnase, die sich das Abendessen zur Sicherheit noch einmal durch den Kopf gehen läßt und auf der Suche nach einem dafür geeigneten Untergrund (immer ein Teppich) durchs Schlafzimmer irrt. An solchen Morgen geht alles flotter, denn auch das Frühstück hat sich damit meist erledigt.

Andererseits, vergreift man sich einmal im Ton oder steht nicht sofort zur Verfügung, wenn 4-Beiner Aufmerksamkeit fordert? Kein Problem, wir sind nicht beleidigt, wir wollen kein tolles Versöhnungsessen oder -geschenke und auch keinen Versöhnungssex. Wir erinnern nicht noch Tage später daran und halten derart ein mega-schlechtes Gewissen am Leben. Wir brechen auch keinen Streit vom Zaun, um gleich noch die 50 anderen Punkte, die schon längst diskutiert hätten werden müssen, aufs Tapet zu bringen. Mit Nichten. Ein Blick, ein nettes Wort und die Welt ist für Wuffi wieder in Ordnung.

Das eine oder andere Loch im Garten, ein zerrupfter Teppich, ein Schuh in Einzelteilen oder ein Spielzeugfragment (der Rest wurde vergraben - dafür das Loch) sind ja schließlich dankbare Alternativen für Aufmerksamkeitsdefizite oder Fadesse während der Arbeitszeit.
Wenn's drum geht, was wir angehen, dann löst jeder noch so banale Vorschlag großen Beifall und begeistertes Wedeln aus. 
 
Gehen wir spazieren? Jajajajaja!!!!! Gehen wir zur Kimi spielen? Jajajajaja!!! Wie steht's mit einer Runde Ball werfen im Garten? Jajajajajaja!!!!! Einfach nur 'rumliegen und Kuscheln? Jajajajajaja!!!

Im Vergleich dazu der Versuch, einen pubertierenden Teenie zu bespaßen: Hey, was ist los? Lust auf eine Runde Tischtennis? Jetzt gleich? Nein. Bin müde.... Wie sieht's aus? Kommst mit auf eine Runde Schwimmen und hinterher ein Eis? Puhhh, nein du, ist mir zu öde und viiiiiel zu heiß draussen ..... Ich dachte, ich hol mir eine Pizza vom Italiener. Kommst du mit? Italiener? Hhhmmm, nein, weiss nicht, vielleicht .....

Ich bewundere sie oftmals für ihre unkomplizierte Art, dafür, dass sie etwas schaffen, wofür wir Menschen mitunter langjährige Psychotherapien, viel Geld und das oftmals völlig umsonst opfern, nämlich einfach im Hier und Jetzt zu leben, dieses zu schätzen und zu genießen und das bei bester Laune und jederzeitiger Bereitschaft zum gemeinsamen Pferde stehlen mit Partner Mensch.

Dienstag, 10. Juni 2014

Molly - die Neue

In weniger als 2 Wochen haben wir Grund zum Feiern: Molly ist vor 1/2 Jahr in die Mensch-Hunde-WG im kleinen Landhaus eingezogen. Und in dieser Zeit hat es uns die kleine Ungarin gezeigt. Molly hat bewiesen, dass sie klug ist. Molly hat gezeigt, dass sie sich durchsetzen kann. Und sie hat unglaubliche Anpassungsfähigkeit bewiesen. Lasst euch mal erzählen, was die Highlights dieser Zeit waren und welche Molly's INs und OUTs sind.

Ein IN der ersten Stunde war und ist für die Dame das Fressen! Seit Molly da ist, sind die Hundenäpfe immer blitz-blank geputzt. Molly kontrolliert das akriebisch bis zu 5x pro Napf und Mahlzeit. Die Stunde nach der Fütterung macht Molly ihren Job und checkt der Reihe nach durch, ob ja nirgends noch ein Brösel Futter ist, das seinen Weg nicht in einen Hundemagen gefunden hat.

Ein klassisches OUT ist Spazieren bei Regenwetter. Dabei strapaziert sie meine Überredungs- und Überzeugungskünste bis aufs Äußerste. Das erste Hindernis ist dabei der Weg durch die Haustür ins Freie. Und beim Aussteigen aus dem Auto beim Wald wartet schon die nächste Herausforderung. Bei solchen Gelegenheiten zeigt Molly ihren ausgesprochen starken Willen - an schlechten Tagen nenne ich es eher Sturschädel. Sie ist an Hartnäckigkeit kaum zu überbieten. 
 
Da erklärt sich das nächste IN von selbst: Molly ist eine Sonnenanbeterin UND eine Türdackerlbesetzerin. Witzig ist bei der Gelegenheit zu beobachten, dass Phoebe sich meist in ihrer Nähe aufhält. Entweder versucht sie ihre Stellung im Haus zu halten oder sie mag die kleine Goldie einfach und fühlt sich wohl in der Nähe von jemandem ihrer Größenordnung. Phoebe hat zwar ihrerseits die Großen fest im Griff, aber wenn sie mal jemanden auf ihrer Augenhöhe braucht, dann ist Molly nun angesagt.

IN oder OUT ist noch nicht ganz sicher beim Thema Schwimmen. Die gute Nachricht vorne weg: Molly KANN schwimmen. Bei der Affenhitze der letzten Tage war es nicht mal so schwer, sie ins kühle Nass zu locken. Die schlechte Nachricht: Molly ist nun ein Hund mehr, der sich von Grillresten und sonstigen essbaren menschlichen Hinterlassenschaften wie magisch angezogen fühlt. Der Weg zum Wasser ist ein Spießrutenlauf der Sonderklasse. Hier werden meine Flexibilität, Reaktionsgeschwindigkeit und Multitaskingfähigkeit auf die Probe gestellt. Und die Hunde lernen auszutesten, wie tief im Hals muss die Leckerei schon stecken, damit der lange Arm der Gruppenführerin sie nicht mehr erreicht. Ja Leute - da kenn ich keine Skrupel und ekeln darf man sich auch nicht. Aber das ist sowieso etwas, das man sich als Hundehalter nicht leisten kann.

IN sind lange Spaziergänge im Wald - auch nach 4,5 Stunden sind keine Ermüdungserscheinungen zu erkennen. Super IN sind Wildspuren. Da wird der Turbo eingeschalten - unglaublich, dass so kurze Beine so flott sein können. Hier gilt es, den richtigen Zeitpunkt für den Rückruf zu wählen. Zu spät bedeutet, zurück zum Auto, Molly von dort abholen und nochmal los gehen.

OUT ist bei Molly auf jeden Fall Stress - wenn zu wild gespielt wird oder Hunde sie belästigen, kommt sofort der Turbo zum Einsatz. 

Aufgrund eingeschränkten Seh- und Hörvermögens kann es mitunter auch vorkommen, dass Molly zur falschen Person zurück läuft und sich mit zusammen gezwickten Augen bemüht zu erkennen, ob es eh Frauchen ist, wo sie grade brav wedelnd um ein Leckerli ansteht.
 
Nach so einer anstrengenden Runde wird ausgiebig geruht und dabei ist es egal, mit wem man sich den Schlafplatz teilt. Buffy liegt gerne bei Molly, weil die Gefahr, dass sie plötzlich bellend aufspringt äußerst gering ist und Buffy ist schließlich in einem Alter, wo der ungestörte Schlaf ungemein wichtig ist. 
Zwar sind die Nächte nicht mehr lang, die Jagdausflüge meist erfolglos und die Raufhändel mit anderen Felltieren derselben Art werden mittlerweile tunlichst gemieden, aber man ist ja jetzt quasi in Pension und möchte diese auch entsprechend genießen.



TOTAL IN waren die Schildkröten die ersten paar Wochen nach dem Auswintern. Molly hat tagelang ihre Spuren im Garten verfolgt, war völlig aus dem Häuschen und hat kaum zur Ruhe gefunden. Vorübergehend war ihre Begeisterung so mitreißend, dass es auch Phoebe wieder gepackt hat und sie etwas mehr Interesse an den wandelnden Steinen gezeigt hat.
Am aufregendsten war es dabei, wenn ich selbst mich für eine der Kröten interessiert und diese vielleicht sogar hoch gehoben habe. Molly hat versucht sie vor mir abzuschirmen - ich denke, sie wollte sie als ihren Besitz deklarieren und verhindern, dass ich sie ihr wegnehme. Aber mittlerweile ist an den 5 sich ständig fressend und viel zu langsam durch den Garten wälzenden Steinen nichts besonderes mehr dran und sie werden nicht mal mehr ignoriert.

OUT ist bei Molly auch das Thema Gewitter. Nicht dass es jetzt notwendig wäre, dass es mordsmäßig blitzt, donnert und stürmt - Molly hat erkannt, dass Gewitter immer mit Regen zu tun hat, also reicht schon Regen, um sie auf die Palme bzw. aufs Bett zu bringen. Molly schafft es, bei plötzlich einsetzendem Regen, mit einem einzigen Satz ca. 2m Länge und 40cm Höhe (!!!) zu überwinden und zielsicher im Zentralbereich meines Bettes zu landen. Beim Runterheben wird sie ca. 40 kg schwer und 3 m lang. Unten angelangt reicht ein Bruchteil einer Sekunde in dem sie sich wieder zurück aufs Bett katapultiert, um dort sofort wieder die eben beschriebenen Körpermaße einzunehmen.

Ich will nichts beschönigen - Molly und ich, wir haben gute und schlechte Zeiten. Wir sind immer noch dabei, uns kennen zu lernen und ich will gar nicht so genau wissen, was sie über mich schreiben würde, wenn sie es könnte. Fakt ist aber, und das wird mir im Rückblick immer wieder bewußt, dass sie sich wunderbar eingefügt hat, unglaublich gut zu uns passt und sich als heller strahlender Fleck unter den Schwarzen verdammt gut macht!


Montag, 24. Februar 2014

Hundesparkasse


Also gleich zu Beginn muss ich meinem Unmut freien Lauf lassen, was Versicherungen angeht. Offenbar zählen Versicherungen üblicherweise nur bis 3, denn ab dem 4. Hund wird man empfindlichst zur Kasse gebeten, was die Hundehaftpflicht angeht. Da überlegt man als Hundehalter schon mal kurz einen Abstieg in die Illegalität und dass man es im Ernstfall immer noch auf einen der 3 anderen schieben könnte.

Fair ist die Gemeinde. Da steht 4 x 21,80 Euro auf der Hundesteuerabrechnung für 2014. Wenn man dann aber bedenkt, dass die kleinen Hunde viel weniger .... Aber egal, Hauptsache kein Quatro-Sprung.
Da lob ich mir das Bundesministerium mit seiner Heimtierdatenbank, die völlig kostenlos ist. Jaja, bestimmt nicht für den Steuerzahler, aber an der Oberfläche eben für den Hundehalter. Obwohl, letztens bin ich schon fast an die Decke gegangen. Da kam das sagenhaft unverfrorene Angebot von IFTA (Organisation für Internationale Tierregistrierung), die Registrierungsdaten von Balu in besagter Heimtierdatenbank gegen eine kleine Gegenleistung von 25,- Euro für mich durchzuführen. Habe ernsthaft in Erwägung gezogen, eine verbale Briefbombe zu retournieren. Nicht einmal so sehr wegen der 25,- Euro, aber was ist mit Stella? Beide wurden gleichzeitig gechippt und beim älteren Hund nehmen die automatisch an, dass der Chip schon unter der Erde verrostet, oder wie?

Auch wurscht - selbst ist die Frau. Wie seit Längerem geplant, ließ ich mein Smart-Phone zur Bürgerkarte umfunktionieren (ja, das würde jetzt einige interessieren, wie das geht - gaaaanz einfach, sag ich nur) und kann nun nicht nur in meinem Pensionskonto sehen, wie erschreckend viele Jahre zu einer verdienten Pension noch fehlen, sondern auch die Daten meiner Hunde selbst pflegen beim Bundesministerium für Gesundheit. Und das für bereits erwähnte 0,- Euro .....
Und zur Abwechslung mal was Positives: Österreich ist quasi tollwutfrei - jippieeeeje. Und somit sind die jährlichen Impfungen beinahe schon ein "mit Kanonenkugeln auf Spatzen schießen". Haben wir beim letzten Impftermin noch knapp 300,- Euro (weinend und widerwillig) berappt, werden wir dieses Jahr einfach ausfallen lassen - Heureka! Und nächstes Jahr gibt's in der Tierklinik Mengenrabatt ab 4 Hunden. Was tu ich dann mit dem vielen Geld das mir übrig bleibt? Vielleicht wieder mit dem Rauchen anfangen, Nr. 5 ins Haus holen oder lieber doch in einen neuen Tiertransporter (der alte hat schon 271.000 km auf der Achse) investieren?


Aber es gibt ja noch genug "tolle" Alternativen - hier ein paar Zahlen zur Orientierung: 2013/14 haben alleine für die Beißerchen der lieben Scheißerchen rund 800,- Euro das Bankkonto gewechselt. Damit Puli keine kleinen Pumis wirft, sind 700,- Euro von hinnen nach dannen gewandert. Die bereits erwähnten 300,- Euro für die Impfungen mit fraglicher Notwendigkeit und noch rund 500,- Euro für "Diverses" (Allergietests, Bluttests, Entwurmung, Entfloh-und-zeckung, etc.). Und dabei sind meine Partner mit der kalten Schnauze ausgesprochen robuste Modelle!
Nun sind wir theoretisch beinahe schon pleite und dabei haben die 4-Beinigen noch nicht mal gefressen oder genagt oder gespielt oder im gemütlich kuscheligen Körbchen (die bekanntlich auch nicht auf Bäumen wachsen) geknotzt. Alleine 10 Stunden Agility mit anderen Minikins am privaten Trainingsplatz von M. in Sauerbrunn haben mich um 145,- Euro erleichtert.

Der aufmerksame Leser erkennt bereits, worauf es hier hinaus läuft: es sind nicht Liebe, Führungsqualitäten, Hoarding-Neigung oder der Tierschutzgedanke, welche entscheidend sind bei der Anschaffung eines oder mehrerer Hunde. Einzig und allein der Kontostand und das Geldbörserl entscheiden, ob Hund oder Nicht-Hund - nur das, ist hier die Frage!

Aber jetzt mal ernst:
der Hund ist leider nicht mehr nur der Partner mit der kalten Schnauze, sondern ein eiskaltes Geschäft mit unglaublich vielen verschiedenen und undurchsichtigen Bereichen und Branchen geworden. Am schlimmsten ist, dass es in vielen Fällen dazu führt, dass zahlreiche arme 4-Beiner fürchterlich darunter leiden müssen. Hundeflüsterer und -schweiger wachsen aus dem Boden wie die Schwammerl ebenso wie Hundetrainer und zahlreiche Ausbildungsangebote zu Trainern (niemals kostenlos, aber oftmals umsonst). Massenzuchtfarmen in Osteuropa liefern frei Haus psychisch und physisch schwer kranke Welpen von jahrelang unter grausamen und unwürdigen Bedingungen gehaltenen Hündinnen, die mehrmals jährlich werfen müssen und sofort "aussortiert" werden, wenn sie nichts mehr bringen. Ja sogar "Strassenhunde" werden nun, wenn man den Zeitungsberichten glauben darf, schon "gezüchtet", um so am Mitleid der Leute und dem Wunsch, etwas Gutes zu tun und zum Tierschutz beizutragen, zu verdienen.

Liebe Leute, lasst euch von eurem Hausverstand leiten und nicht von Gefühlen oder Mitleid, wenn ihr euch für ein Haustier und in weiterer Folge für die Art und Weise der Haltung entscheidet. NIEMALS einen Welpen aus dem Kofferraum, aus einem Zoofachgeschäft oder den super-günstigen Rassehund aus dem Internet kaufen!!! Setzt euch mit dem Wesen eurer 4-beinigen Partner auseinander und folgt nicht jedem Trend, auch wenn es im 1. Moment noch so logisch oder toll klingen mag. Beobachtet euren Hund, wie er mit anderen Hunden kommuniziert und sich mit ihnen arrangiert. Am meisten könnt ihr von ihm selbst lernen. Oder hat sich noch niemand gefragt, warum unsereins 50 mal "Aus" sagen muss, bis es Freund Hund kapiert bzw. befolgt, während Nachbars Hündin dasselbe mit einem einzigen strengen Blick schafft?

Samstag, 22. Februar 2014

Molly in the house


"Was mach ich hier bloss?" hab ich mich in den ersten Tagen mit Molly immer wieder gefragt. Bin hin und her geschwankt zwischen Euphorie und Verzweiflung und hab überlegt, ob sich dieses zwanghafte Hund-haben-wollen wohl noch psychologisch behandeln läßt. 



Nun nach 2 Monaten und so einigen Mißverständnissen fangen die kleine Molly und ich langsam an, uns zu verstehen. Vielleicht hätten ein paar Worte Ungarisch den Start einfacher gemacht, aber mit Hündisch finden wir nun auch endlich einen gemeinsamen Weg.

Und das geht nicht nur mir so. Kontaktliegen der 4-Beiner ist inzwischen nichts, das mir noch Tränen in die Augen treibt (ausgenommen es ist neben meinem Bett und sie leiden unter Flatulenzen).
Dass die "Neue" unheimlich verfressen ist, ist ein wahrer Segen. Für Futter tut sie alles und mit Futter zeigt sich auch, wie lernfähig Goldie ist. Futterball, Brettspiel, Leckerli verstecken - sie ist überall vorne mit dabei. Die anderen müssen sich jetzt wieder ein wenig mehr anstrengen, wenn sie auch zu etwas kommen wollen und Stella ist ein Spezialfall geworden - hier müssen 3 Hunde ausgetrickst werden, damit ein vierter zu seinem Leckerli kommt. Eine richtige Herausforderung!

Das Schönste ist, dass wir nun endlich auch eine Gegend gefunden haben, in der ich (nur ganz selten) wie der bereits beschriebene Wanderzirkus bestaunt werde, weil wir dort nicht die einzigen mit mehreren Hunden sind. Ausnahmen bestätigen jedoch die Regel - vor kurzem traf ich genau dort meine Meisterin - eine Sheltie-Züchterin mit 5 (!!!) Hunden. Wir waren uns sofort sympathisch und als wir dann zu zweit mit 9 Hunden dahin wanderten, waren auch die Leute überwältigt und da war er auch wieder, der Wanderzirkus-Effekt.


Molly hat mit solchen Runden kein Problem. Molly stört es nicht mal, wenn sie von spielenden Hunden überlaufen wird. Molly passt sich jeder Situation an und Molly hält Augenkontakt wie ein Hypnotiseur. Man bekommt bei ihr den Eindruck, dass sie gelernt hat, Unerwünschtes auszublenden. So, als wäre es nicht da. Andererseits läßt sie sich durchaus von Stimmungen anstecken und das führt dann schon mal dazu, dass sie in einer aufgeheizten Spielerunde anfängt zu bellen, selbst Spieleposen zu machen oder sogar mitzulaufen. Also keineswegs abgestumpft oder in sich gekehrt.

Heute gab es bei uns Frischfleisch vom Lamm mit Ei und seit Mollys Fell wieder länger ist, bleibt auch der eine oder andere Rest im Bart hängen. Aber ich hab ja zum Glück Balu - er hat sich als Putzer angetragen, woraufhin Molly still gehalten hat und sich seelenruhig das Gesicht abschlecken ließ. DAS ist nun wieder eine Situation, wo ich denke, dass sich die Integration in die Gruppe positiv gestaltet und muss aufpassen, dass ich nicht gleich wieder vor Glück ....

Dass sie neuerdings in so einer Position entspannt und schläft, sich nicht sorgt um ihre verletzlichen Stellen und sich nicht mehr einringelt wie eine, die sich am liebsten wegbeamen würde, überzeugt mich, dass Molly hier angekommen ist, jetzt zu uns gehört und fixer Teil unseres kleinen "Rudels" geworden ist.

Und so ist die anfängliche Unsicherheit einem Gefühl unglaublichen Glücks gewichen, das man kaum beschreiben kann; das man einfach erlebt haben muss.

Vita non optanda, optanda sunt vivanda.
(Träume nicht dein Leben, lebe deine Träume!)

Donnerstag, 26. Dezember 2013

Und dann kam Molly ..... (die ersten Tage)

Im Grunde fehlt es mir (und meinen Hunden) an nichts, ganz im Gegenteil. Wir leben in einem Überfluss, den wir - im Vergleich zur Weltbevölkerung - nur mit einer ganz kleinen Anzahl von Menschen (und noch weniger Hunden) teilen.... und das vermutlich auf Kosten des großen anderen Teils. Warum wir so privilegiert sind? Ich kann es nicht sagen, was dazu geführt hat, dass ich in dieses Luxus-Leben geboren wurde. Ich weiß nur, dass es mich verpflichtet, auch für die da zu sein, die zum ganz großen Teil gehören, der nicht soviel Glück hatte. Umso besser, wenn das gleich noch dazu führt, dass man selbst glücklicher wird und sich reicher fühlt, als alle anderen ("net olles, wos an Wert hot, muass aran Preis hom" aus "a Mensch möcht i bleibm" W. Ambros).
Molly hat sich schon beim ersten Treffen in mein Herz geküsst - kein Wunder, dass ich es kaum erwarten konnte, sie endlich wieder zu sehen.

Mollys Vergangenheit ist nur bis zum Beginn des Jahres 2013 bekannt. Da wurde sie von einer älteren Dame in Ungarn von der Straße aufgelesen und offenbar ganz gut versorgt, bis sie Molly aus mir unbekannten Gründen an den Tierschutzverein Hope for Dogs (in Ungarn Bobita) abgab.
Molly ist am 22.12.2013 (Tag 0) - also 2 Tage vor dem Christkind - bei uns eingezogen. Ein neuer Abschnitt in ihrem Leben beginnt - es soll ein glückliches und artgerechtes Leben werden.

Tagebucheintrag 23.12.2013 (Tag 1)

Die erste Nacht ist vorbei und ich bemühe mich, für das Rudel einen normalen Tagesablauf bei zu behalten. Molly ist unglaublich hartnäckig, wenn es darum geht, sich einen Platz im Bett zu erobern. In der Nacht waren wir ein paar Mal draußen, obwohl sie es nicht verlangt hat. Sie hat sofort gecheckt, was von ihr erwartet wird, wenn es heißt: "Molly - Lulu!". Aber ihre Blase ist wie ein Fass ohne Boden - kaum herinnen, verliert sie schnell noch ein paar Tropferl.

Molly hat echt einen an der Klatsche – sie dreht sich endlos im Kreis, wenn ich sie nicht stoppe – ich denke, es ist ein Ausdruck von Aufregung und Unsicherheit. Man kennt das von unterbeschäftigten Käfig Tieren. Ich rechne damit, dass es nur vorübergehend ist. Auch vor dem Hinlegen dreht sie sich 15-20 Mal – oft gebe ich ihr ein Stopp, indem ich es ausspreche und sie dabei antupfe – dann hört sie auf – zumindest bis ich die Hand wieder weg nehme.  

Jeder Teppich hat mittlerweile ein Lackerl abgekriegt. Aber auch darin sehe ich ein Zeichen von Aufregung und „oh-Gott-alles-ist-neu-Verhalten“. Sie wurde ja erst im November kastriert – hoffe, das ist gut gelaufen und sie ist nicht inkontinent. Der Staubsauger ist übrigens kein böser Feind und die Katze wird grade mal neugierig beschnuppert.

Gestern waren wir gleich auch als Einstieg mit unserer neuen Hundefreundin spazieren – Freundin S. und Hündin Amy. Von „frei laufen lassen“ ist bei Molly leider noch keine Rede. Sie wuselt sofort davon und vergisst alles um sich herum beim seligen Zeitung lesen (heute morgen versucht und gleich wieder eingestellt). Am Nachmittag kommt Freundin B. mit in den Wald. Sie bekommt Molly einfach "umgehängt" - so haben wir es alle leichter.

Molly riecht fürchterlich und ich hoffe, dass sie bald unseren Geruch annimmt, denn es macht sie nicht gerade sympathischer. Im Moment kämpft sie mit einem Ochsenziemer. Das ist noch keine allzu runde Sache. Sie kaut verzweifelt, springt immer wieder auf, dreht Runden, geht im Haus herum, kommt zurück und kämpft weiter, kommt zu mir, dreht Runden….. Vorhin hab ich sie das erste Mal ein wenig gebürstet, um zu sehen, wie das ankommt. Das geht gut. Sie hat es offensichtlich genossen.

Autofahren geht auch völlig problemlos. Derzeit reist sie noch auf dem Rücksitz. Sie springt alleine raus - rein ist  noch im Lernmodus. Ihr süßes Goscherl ist ganz weich und sie nimmt die Sachen ganz seltsam auf – beinahe so, als würde sie sie nicht finden in der Hand – eigenartig. Und sie reißt ihr Maul verdammt weit auf für verdammt kleine Stücke. Falsche Erwartungshaltung? Ihre Nase ist meist sehr trocken und sieht arg rissig aus. Da kann man Ringelblumensalbe drauf tun, hab ich in einem Forum gelesen. Das probiere ich. Und kommt auf die Liste für den Tierarzt am Freitag (Tag 5).

Ihr Gesäuge sieht aus, als hätte sie schon Junge gehabt – es ist ungewöhnlich groß. Alles in allem ist sie ein hübscher, aber ungemein kompakter Hund – Phoebe wirkt fragiler. Sie hat sehr große Pfoten und einen festen, gedrungenen Körper. Der Kopf sieht ganz nach Cocker aus. Beim Spazieren muss ich – was die Ausdauer angeht – keine Sorge um sie haben. Sie kommt problemlos mit uns mit. Ihre Ohren hängen überall hinein und schleifen beim Schnüffeln am Boden. War sie trinken, sind ca. 3 cm nass und nach dem Spazieren fast ein Drittel vom Ohr.
Grade hat sie das kleine Hundebett entdeckt, das ich für Phoebe gekauft habe und das nach kurzer Zeit schon zu klein für sie war. Offenbar gefällt es Molly – schön! 
Wir werden uns aneinander gewöhnen und zusammen wachsen. Stella wird ihr noch das eine oder andere Mal erklären, wo der Bartl den Most herholt, aber das hat noch keinen Hund ernsthaft erschüttert.
Tagebucheintrag 24.12.2013 (Tag 2)
Heute ist Heiliger Abend! Es war ein Tag wie im Bilderbuch - strahlend blauer Himmel, 10 Grad - und trotzdem fast niemand im Wald unterwegs - wunderschön!!!
Molly bekam heute ein nagelneues, blaues Brustgeschirr und wir hatten den ersten ausgedehnten Spaziergang mit 10m Schleppleine. Das lief verdammt gut. Sie ist sehr aufmerksam, schaut, wo ihr Rudel bleibt und verzettelt sich nur selten beim Zeitung lesen. Die wenigen Male, wo ich sie eingebremst habe, waren vielleicht gar nicht nötig. Wir haben alles getestet - mitten im Gehen umdrehen, Richtungswechsel, langsam, schnell gehen - alles! Molly war durch nichts abzuhängen.
Einmal sah es so aus, als würde sie mit Phoebe zu spielen beginnen. Beide haben voreinander Spieleposen gemacht - aber leider jeweils in einem Moment, wo die andere grade nicht hin gesehen hat ....
Zuhause wollte es Phoebe nochmal probieren und anstatt eindeutiger Posen hat sie es diesmal mit lautem Gekeife versucht und prompt ein genervtes Knurren von Molly geerntet. Die Kleine läßt sich also nicht am Kopf herum tanzen - das ist gut. Phoebe hat sofort kapiert und ist abgezogen. Die anderen taten so, als hätten sie es nicht gemerkt.
Mollys Ohren machen mir ein wenig Sorgen. Vorhin hat sie sie ewig lange an mir gerieben und ihre Hinterpfote klopfte dabei auf den Boden, als würde sie drummen. Dabei waren es nur Kratzbewegungen, die sie anstatt am Ohr (wo ja meine Hand war) auf den Boden machte. Die Reinigung mit speziellen Reinigungstüchern für Ohren hat sie unheimlich genossen und auch noch fest ihr Ohr drauf gedrückt.
Die kranken Augen wasche ich im Moment mangels Augentropfen mit Kamillentee - wäre schön, wenn hier noch etwas zu machen wäre und die Diagnose "chronisch" sich als falsch herausstellen würde.
Molly ist unheimlich hartnäckig, wenn sie etwas will oder nicht will. Umso stolzer bin ich, dass sie bereits auf meine Aufforderung hin auf die Decke geht oder sich zumindest daneben legt und das eine oder andere Mal auch liegen bleibt.
Weniger stolz bin ich auf meine vergeblichen Versuche, sie beim Leine-gehen-mit-Allen bei oder ganz knapp hinter mir zu halten. Mit meiner herkömmlichen Methode blitze ich total ab bei ihr. Entweder schaffe ich nicht, es ihr begreiflich zu machen oder sie sieht einfach nicht ein, warum sie sich hinter mir einreihen soll, wo es doch vor mir viel spannender ist.
Futtergaben sind etwas ganz Dramatisches - sie gebärdet sich, als wäre sie kurz vorm Verhungern oder hätte seit Wochen nichts zu Fressen bekommen. Ihre körperliche Verfassung zeugt jedoch nicht gerade von Diätkost.
Generell ist ihr Körperbau unglaublich gedrungen - vielleicht eine Folge von Fehlernährung oder Fehlzucht? Oder gehört es so? Verschiedentlich ragen Beulen aus dem Fell, die bei genauer Betrachtung Muskelpakete oder Fettablagerungen sein könnten - auch das steht schon auf der Liste für den Tierarzt.
Offenbar hat sie der lange Spaziergang heute sehr gefordert - die kleine Puppe schläft - Stella liegt neben ihr. Ich habe den Eindruck, dass sie das beruhigend findet. Für mich reicht es auch. In meinen Bemühungen, so rasch wie möglich wieder für alle einen normalen Tagesablauf herzustellen und mein 4-blättriges Kleeblatt glücklich zu machen, habe ich mich ziemlich verausgabt. Genug für heute!

Tagebucheintrag 25.12.2013 (Tag 3)

Nach einer von vielen Wachphasen geprägten Nacht begann heute ein Tag voller großer Ereignisse und Fortschritte. Den Start machte Molly indem sie mit ihrem Hauferl keinen Teppich dekorierte, sondern dieses beim Spazieren im Wald erledigte - endlich! Ganzen Tag keine Ausscheidungs-produkte im Haus - herrlich. Am Rückweg zum Auto hat sie mir dann auch gezeigt, dass die Schleppleine noch nicht völlig unnötig an ihr hängt. Sie ist abgezischt und es sah aus, als wollte sie sich unter die Kirchengeher mischen, die sich grade auf in die Messe machten.

Aber das Schönste kam, völlig unerwartet und noch dazu gerade mit Stella, dann später am Vormittag. Morgens noch bedauernd der Schwester ge-what's-appst, wie Ausgrenzung bei uns aussieht ....

..... und plötzlich bietet sich mir dieses Bild hier unten - und wer Hunde kennt, der weiß, das kann man nicht stellen - schon gar nicht, weil grade Stella sehr entspannt dabei aussieht :-)

Aber das war's ja dann noch nicht. Die Ereignisse haben sich überschlagen. Wieder durften wir einen wundervollen Spaziergang im fast menschenleeren Wald verbringen, mit viel Spiel und Spaß - die Leckerlis hab ich den Hunden nur so um die Ohren gehauen und es war einfach harmonisch. Kein vom Sturm umgerissener Baum hat uns getroffen und als wir komplett und mit heilen Birnen zurück am Auto waren, hat Molly beim Einsortieren immer wieder versucht, auch einzuspringen.

Na dann, dachte ich, im schlimmsten Fall musst du unterwegs auf einem Feldweg notlanden, falls es hinten eine Meuterei geben sollte, weil es nun schon ein bissi eng wird und so nah beieinander ... Auf der Heimfahrt war mein Blick hauptsächlich im Rückspiegel, wo ich völlig entspannte Hundeblicke bzw. ein gelbes rundes Köpfchen hervorleuchten sah. Ausladen war dann keine große Herausforderung mehr.

Der Nachmittag ist uns verflogen mit Spielen im Haus und Molly hat heute Platz gelernt mit einem alten Hundetrainer Trick: auf den Boden knien, ein Bein ausstrecken, sodass der Hund nur kriechend unten durch kommt. Dann den Hund mit Leckerli unterm gestreckten Bein durch locken und Molly hat sich förmlich auf den Boden geworfen für das wutzi kleine Stückerl Futter in meiner Hand.


Im Moment liegen die Schwarzen wieder draußen auf der Hundecouch und Molly grunzend neben mir am super kuscheligen Hundebett. Ein großartiger Tag mit unglaublichen Fortschritten liegt hinter uns und macht Lust und große Vorfreude auf alles, was noch folgen wird.
Tagebucheintrag 26.12.2013 (Tag 4)
Veränderung und Entwicklung waren gestern - heute war ein Tag der Ruhe und des Bewahrens. Unser Morgenspaziergang startete erst gegen 9.30 Uhr in Begleitung von Balu's Schwester Suki und Freundin M. Auf anfängliches "halte-dich-bloss-von-mir-fern" Geknurre folgten 2 Stunden harmonisches Wandern, unterbrochen nur von ein paar anderen Wanderern und Kamikaze-Radfahrern, die entweder sehr schnell oder tot vom Berg runter wollten. Es gibt zu Weihnachten also außer uns noch andere Revoluzzer mit Alternativprogramm neben den Family-Hoppern und Fressorgien-Feiernden.
Phoebes lautstarke Bemühungen Molly aus der Reserve zu locken, waren heute endlich ausgesprochen erfolgreich. Molly hat Phoebe bellend und knurrend durch den Garten gejagt. Endlich, nun wissen wir's: Molly kann bellen!
Molly traf heute im Garten auch auf Buffy und ihr Verhalten erinnerte mich an Stella vor 8 1/2 Jahren. Molly hüpfte auf die sich genüsslich im Gras wälzende Katze zu, in der Hoffnung, dass Buffy vor Schreck aufspringt, wegläuft und sie sie jagen kann. Mit Nichten! Katze Buffy ist DER Hundeaustrickser schlechthin und setzte ihr Räkelprogramm völlig unbeeindruckt fort. Molly zog enttäuscht ab.
Abendprogramm waren einfache Indoor-Übungen mit den 4en. Mollys Hauptübung dabei bestand daraus, auf dem ihr zugewiesenen Polster zu warten, bis sie dran war. "Platz" geht schon ohne, dass ich in die Knie gehe. Noch zu lernen: nicht auf Leckerli stürzen, wenn es unterwegs in ein anderes Hundemaul ist!
Nachtrag 1 zu Tag 3:
Molly ist nachtblind - hat Nussbaum am Rückweg ins Haus übersehen. Zweiter Beweis, folgt mir nachts aufs Klo, sobald das Licht dort an ist. Findet nicht zurück, wenn ich es wieder ausmache.
Nachtrag 2 zu Tag 3:
Molly vermisst Balu und geht ihn im Haus suchen. Steht Gedanken verloren vor dem leeren Hundebett und versteht die Welt nicht mehr (offenbar kann sie aber bis 3 zählen). Hole Balu ins Haus. Molly schießt an mir vorbei und begrüßt ihn überschwänglich. Ich heule wieder mal.....
Tagebucheintrag 30.12.2013 (Tag 8)

Sodala, jetzt mal die letzten Tage im Schnelldurchlauf. Am Freitag Nachmittag, nach einer Runde im Akademiepark, war Mollys erster Termin beim Tierarzt. Phoebe als Verstärkung war unglaublich erwachsen und vorbildhaft - Molly verständlicherweise etwas nervös und angespannt. Im Großen und Ganzen gab's keine bösen Überraschungen. Molly ist vermutlich schon 7 Jahre alt, offenbar vielfache Mutter und die meisten Problemchen sind allergiebedingt. Die Dippel am Rücken sind Fettreserven für schlechte Zeiten und in den Ohren sieht es furchtbar aus, sodass wir gleich mal für 7 Tage Tropfen bekommen haben, worauf Molly so sehr abfährt, wie ein Eisbär auf Sandstrand und Tropenhitze.

Zuhause hat sich schon Vieles eingespielt. Völlig entspannt sieht man sie nun oft lümmeln und die Verfolgungszeiten werden seltener.
Unglaublich schnell schaut sie sich von den Schwarzen ab, was bei uns abgeht und ahmt nach. Liebstes Vorbild ist dem Golden Girl dabei mein Bub, der Balu.



Massiver Handlungsbedarf besteht auf jeden Fall noch bei der Fütterung. Wenn ich früher "Raubtierfütterung" dazu gesagt habe, war es reiner Spaß. Lief alles sehr diszipliniert ab und jeder kannte seinen Platz und wartete (meist) geduldig, bis er/sie aufgerufen wurde.


Und dann kam Molly - und plötzlich ist alles ganz anders. Molly dreht völlig durch, ist nicht mehr zu bändigen und reagiert kaum auf Ansprache, wenn ich mit dem Futter komme, was schwer heimlich zu bewältigen ist, weil sie ja jeden Schritt von mir beobachtet und nun auch schon die Zeiten und das Ritual kennt - was keinesfalls bedeutet, dass sie sich an das Ritual hält. Aber ich arbeite dran.
Was wir schon gelernt haben und was auch bislang gut funktioniert, ist draußen bleiben und NICHT an der Türe kratzen.
Wenn ich weggehe, lasse ich die 4 nun auch schon alleine im Haus und die paar Mal, wo ich auf ein Stündchen weg war, lief es gut. Wohler ist mir, wenn die Bande im Freien ist - ein Loch im Rasen wächst wieder zu - eins in der Türe nicht.
Aber auch hier scheint die Vorbildwirkung der Alt-Eingesessenen zu funktionieren.
Am freundlichsten von allen ist Balu zu der Kleinen - ihn liebt sie auch am meisten. Er hat keine Berührungsängste und wenn die Minikins streiten, stellt er sich unparteiisch dazwischen und schafft derart sehr souverän wieder Ordnung.
Gestern Abend hat sich dann folgende witzige Szene in unserem Schlafzimmer zugetragen: der kuschelige Platz neben meinem Bett wird von Molly besetzt, seit sie bei uns eingezogen ist. Und genau das hat diesen Platz nun plötzlich zum begehrtesten im ganzen Haus werden lassen. Und wenn Balu früher erst am Morgen dort gelegen ist, so findet man ihn nun schon ab Mitternacht auf diesem Polster.
Stella hat sich nicht übermäßig dafür interessiert - aber dann kam Molly - und nun will auch Stella so oft wie möglich dort liegen. Reise nach Jerusalem mit Kuscheldecken und Polstern.
Und so lag Stella gestern bereits so breit wie möglich am begehrtesten Platz des Hauses, als Molly abends angetrabt kam und dort schlafen gehen wollte.

Mit leisem Wimmern hat sie sich dann mit dem Rücken zu uns in etwa 1m Entfernung hin gesetzt. Und dann startete sie die Aktion "Hinterrücks". Millimeter für Millimeter rutschte sie im Rückwärtsgang auf ihrem Popo näher und näher an Stellas Hinterseite heran, bis sie sich berührten. Als von Stella selbst dann noch kein Widerspruch kam, ließ sie sich langsam in Liegeposition rutschen und schlief zufrieden grunzend ein.
Normalität ist auch bei unseren Ausfahrten eingekehrt. Molly fährt bereits im Standard-Modus mit den anderen hinten mit - die Rückbank wurde gereinigt und bleibt nun wieder frei für Notfälle und Ausnahme-situationen - oder für Fahrgäste mit nur zwei Beinen.
Molly ist übrigens mittlerweile (wieder) sauber und schläft die Nacht durch, ohne austreten zu müssen.

Montag, 16. Dezember 2013

Aufstehen leicht gemacht (aus der Serie "Bettgeschichten")

Kürzlich saß ich mitten drin und lauschte andächtig, als Freundin M. und Freundin S. stolz um die Wette berichteten, welche morgens länger schlafen könnte, trotz der 4-beinigen Mitbewohner im Haus. Es war einer der seltenen Momente in meinem Leben, in dem meine Lippen geschlossen blieben, obwohl die Gedanken Amok liefen. Und es war auch wieder einer der Momente, in welchem ich bei mir dachte: "Das kannst du nicht erzählen, das musst du aufschreiben!" So kam es also zu der hier folgenden ganz intimen Bett-Geschichte von uns.
 
Während ich noch im Tiefschlaf liege und in seligen Träumen schwelge, wird man auf der Hundecouch langsam wach und fadisiert sich schrecklich. Nachdem es irgendwann vorbei ist mit der Geduld vereinbaren sie stillschweigend, dass Balu einfach mal nachsehen geht, ob ich nicht vielleicht schön langsam aus meinem Dornröschenschlaf erwachen möchte.
Und so verlässt der Bub als Pionier des Morgens die Schlafstätte und schleicht auf Zehenspitzen in Richtung Schlafzimmer. Während er so vorbei schleicht an mir, berührt seine kalte Nasenspitze gänzlich unabsichtlich meinen aus dem Bett hängenden warmen Arm, was mit ziemlicher Sicherheit eine erste Reaktion von mir verursacht. Das wiederum löst 1-2 schwache Wedler bei Balu aus, begründet auf der Hoffnung, ich könnte nun erwachen. Ach ja, warum schleicht Balu eigentlich? Man möchte meinen, ich dachte das ja auch irgendwann, dass er besorgt ist um meinen Schlaf. Mit Nichten - er schleicht, damit er ja nichts überhört, was darauf hinweisen könnte, dass ich bereits munter bin.
Manchmal bin ich schon vor der Bande wach und versuche mich mit aller Gewalt schlafend zu stellen. Das geht so weit, dass ich schon mal die Luft anhalte, damit sie nicht an der Häufigkeit meiner Atemzüge erkennen, dass ich schon munter bin. Aber sie durchschauen mich, IMMER. Das kleinste Zucken einer Braue, die leiseste Bewegung einer Gliedmaße, ein veränderter Atemrhythmus oder der Blick auf die Uhr mit nur einem halben Auge - ihnen entgeht NICHTS!
Also liege ich da und spüre, noch so im Halbschlaf, eine zarte Erschütterung der Matratze. Diese wird ausgelöst durch den sanft und exakt vor meinem Gesicht abgelegten Hundekopf. Wie zufällig kann es dann vorkommen, dass dabei eine kalte Hundeschnauze auf Tuchfühlung mit einer bettwarmen Menschenbacke geht, begleitet von einem leisen Schnaufen und warmen Atemstößen. Selten verfehlen diese wirklich sehr vorsichtigen Gesten, die keinesfalls dazu gedacht sind, mich aufzuwecken, ihren Zweck - es entkommt mir ein erstes Grunzen, was in Bruchteilen von Sekunden eine wahre Kettenreaktion auslöst: einen Trommelwirbel, verursacht durch die stark wedelnde Rute, welche dabei gegen das Regal neben meinem Kopf böllert, begleitet von begeistertem Tänzeln am Bettrand (die Hundekrallen am Laminat klingen wie die ersten Stepversuche von Fred Astaire) und abwechselndem Nießsprühregen und Schleckattacken.
Auf der Hundecouch bleibt der schon ungeduldig erwartete "Kommt-schnell-sie-ist-munter-Tanz" natürlich nicht unbemerkt und was nun folgt, gleicht einer Stampede - was wie zwei Hunde aussieht, klingt nach einer ganzen in Panik flüchtenden Büffelherde. Am Bettrand angelangt gibt es ein wildes Gedränge um die ersten Streicheleinheiten, Hundeküsse werden auf alles verteilt, was nackt und vom Bettrand aus erreichbar ist, bereits seit Stunden aus Fadesse gelutschtes Hundespielzeug wird stolz präsentiert und Pfoten fliegen einem um die Ohren, dass es nur so rauscht. Und natürlich will jeder einmal ordentlich prusten. Schließlich ist man ja grade erst aufgestanden und hatte noch keine Zeit für eine entspannte Reinigung der Atemwege andernorts.
Kaum setze ich den ersten Fuß aus dem Bett und taste gähnend nach den im Gewusel weit unters Bett gerutschten Hausschlapfen, trollen sich die drei auf die diversesten gemütlichen Schlafplätze, rollen sich entspannt grunzend wieder ein, um noch eine Runde zu schlafen und das verdienter Weise, denn der erste Job des Tages ist erfolgreich getan: Frauchen ist munter!

Dienstag, 3. Dezember 2013

Salt & Pepper - wenn die Bärte silbern werden....

Denkt man an Hunde, dann hat man vor Kraft strotzende Muskelpakete vor dem geistigen Auge, die übermütig herum tollen; eifrig dem Ball oder der Katze nach jagende Energiebündel, die einfach nicht müde zu kriegen sind und nur Flausen im Kopf haben.

Wie süß sie sind (und wie anstrengend) im Welpenalter, wo rund 20 Stunden jeden Tag alles erkundet wird, idealerweise mit den Zähnen, wo sie neugierig und noch völlig offen allem gegenüber sind (was nicht immer zu aller und jedes Freud ist). Und dann erst, wenn sie pubertierende Halbstarke werden, denen die Welt gehört und die von einem Tag auf den anderen die komplette Erziehung  vergessen, wo es doch schon so gut funktioniert hat. Viele Jahre folgen nun, in denen sie (manche mehr, manche weniger) treu an unserer Seite (oder ein klein bisschen weiter weg hinter dem Hasen her) sind, sich entwickeln, aufbauen, lernen und immer zuverlässigere Begleiter werden. Jahre, die viel zu rasch verfliegen. Und eines Tages fragt man sich, wann der Gang denn bloß angefangen hat, gemütlicher zu werden, seit wann die Spiele nicht mehr ganz so häufig und wild sind und so manche Katze neuerdings geflissentlich übersehen, anstatt verfolgt wird ...
Nun beginnt eine ganz besondere Zeit, in der ich jeden gemeinsamen Tag mit meinem haarigen Freund schätze, als wär's der letzte. Die Kommunikation läuft mittlerweile so unglaublich eingespielt ab, dass Worte überflüssig werden (vereinzelt auch, weil Freund Hund sie ohnehin ignoriert). Das Team Hund-Mensch ist über Jahre hinweg perfekt eingespielt. Jeder kennt die Macken des anderen und hat gelernt, über so einiges hinweg zu sehen.

Ab sofort gibt's den Altersbonus, den jede Fellnase wie selbstverständlich für sich in Anspruch nimmt. Während auf der einen Seite Routinen den gemeinsamen Tagesablauf bestimmen, werden auf der anderen strenge Regeln aufgeweicht. An meiner Seite (das ist nur metaphorisch gesprochen, denn grundsätzlich hinter mir) läuft nun ein Senior - zumindest steht das am Futtersack.

Die Stangen an den Agility Hürden im Garten werden tiefer gelegt, die Anschaffung einer Einstiegsrampe ins Auto in Erwägung gezogen. Bis es soweit ist, gewährleistet eine Hand als Stütze für den Popo den sicheren Einstieg. Diverse stärkende Mittelchen ergänzen das Senior-Futter - der Hund wird "gepimpt". Arthrose, grauer Star & Co sollen auf Distanz gehalten werden. Bei Hitze schalten wir zwei Gänge zurück (das bedeutet mitunter auch mal rückwärts) und der eine oder andere Spaziergang fällt im Sommer sogar aus. Stattdessen wird im temperierten Haus gechillt.

Der Tierarzt ist mit den jungen Hunden schnell fertig. Senior kriegt dafür von Mal zu Mal mehr Aufmerksamkeit. Es wird tief in die Augen geschaut, ob hier nicht schon der graue Star lauert (Tipp: Ginko aus der Human-Apotheke für gute Durchblutung). Es wird weit ins Maul geschaut, denn die Zähne sind abgearbeitet und irgendwann ist eine Zahnsteinentfernung nötig. Am Herzen wird lange gelauscht und auf der Waage heißt es "weniger ist mehr".

Wer ist hier der Boss?
Die aufstrebenden Youngsters tanzen den Oldies gerne mal am Kopf herum, aber wem der Sinn ohnehin nicht nach einer Führungsposition steht, der lässt sie ungestraft gewähren und wartet als 4-beiniger Senior geduldig bis der Spuk vorbei ist. Und wo es keine Action gibt, sind auch die Jungen rasch wieder weg.

 
Neuerdings habe ich fast schon ein schlechtes Gewissen, wenn ich zum Spaziergang aufrufe. Während 2 Schwarze in Sekundenschnelle parat stehen, höre ich von der Hundecouch ein tiefes, unwilliges Grunzen. Dasselbe, das ich auch vernehme, wenn ich morgens das Haus verlasse und alle Ganzkörperbehaarten in den Garten jagen möchte.
Während ich noch die Schuhe binde, stehen zwei bereits ungeduldig zappelnd an der Tür. Die beiden anderen verhalten sich still und tun so, als wären sie gar nicht da. Die 14-jährige Buffy liegt in einem der 10 im Haus verteilten Körbe, die sie sukzessive in Beschlag genommen hat und fühlt sich nicht angesprochen.


Die 10-jährige Stella drückt sich noch tiefer in ihren Polster und nur eine zuckende Augenbraue verrät mir, dass sie mich hinter ihrem Poni abwartend beobachtet und hofft, dass ich sie übersehe.

Gut, wenn wir ehrlich sind, Stella's Lebensmotto ist seit jeher: erst schauen, dann (vielleicht) bewegen. Ohne persönliche Einladung steigt Stella nicht aus dem Auto aus. Zur Abendrunde will sie freundlich gebeten werden. Während sie noch mit dem Kopf im Futternapf steckt und genießt, steht daneben schon das Brösel-Abräum-kommando, Phoebe und Balu. Die Zeit, die sie braucht um ein Rindsohr zu verzehren, reicht bei Balu für 10 und mehr.

Selbst wenn ich manchmal am liebsten einen Düsenantrieb an ihr montieren würde, wird mir in überlegten Momenten bewusst, dass es etwas Großartiges ist, das ich von meinen Oldies gelernt habe, in einer Zeit, in der immer alles schnell und sofort geschehen muss: die Ruhe, wieder zu erlangen, in der die Kraft liegt, im Hier und Jetzt zu leben und einen Gang zurück zu schalten, damit wir nicht allzu schnell ans Ende dieses Lebens gelangen.