
Alle passen sich an und es ist faszinierend, wie viele Gemeinsamkeiten sie auf diese Weise entwickeln. Jedes neue Mitglied lernt, der eine rascher, der andere wieder langsamer, wie bei uns der Hase läuft.
Aber neben dieser wundervollen Eigenschaft, die uns zusammenhält und ein für uns alle angenehmes Zusammenleben überhaupt erst möglich macht, gibt es dennoch viele individuelle Eigenschaften und Persönlichkeitsmerkmale, die jedes einzelne dieser Wesen zu etwas Einzigartigem und Besonderen machen.

Und Schlafen gelegt wird aus Prinzip erst dann, wenn ein ordentliches Nestchen gebaut ist. Dem voran geht ein Scharren, ein Schieben, ein Wuzeln und ein Drücken. Da werden Polster zerknautscht, Teppiche in Ziehharmonikaform gelegt oder Stofftiere zur Unkenntlichkeit zusammengedrückt. Dann wird begutachtet und Probe gelegen, aber erst wenn als gemütlich und liegenswert befunden, wird auch wirklich geruht.
Molly ist die Dame mit den Ritualen - allen voran das Putz- und das Drehritual. Schmutzige Futterschüsseln gibt es bei uns nicht mehr, seit Molly die Zuständigkeit dafür übernommen hat. Ergänzt wird dies durch ein vorangehendes Futterritual. Sobald der Napf leer ist und die paar Stückchen, die Frauchen "irrtümlich" immer daneben verstreut, auch eingesammelt sind, muss Madame mal - und wenn's nur ein paar Tröpfchen sind.
Und Niederlegen geht frühestens nach der 5. vor der gewählten Schlafstatt gedrehten Runde. Es mutet beinahe autistisch an, dieses zwanghafte im Kreis rennen bevor sie endlich zur Ruhe kommt. Noch seltsamer: je weiter oben die Schlafstatt, desto länger wird gedreht. Als müsste sie sich erst Mut und Kraft für den Sprung andrehen.
Balu ist der Traum aller Mädels im Haus. Nur ganz selten sieht man ihn alleine liegen. Immer kuschelt sich grade eine an ihn. Kein Wunder - er ist ein richtiger Schmusetiger. Balu sucht die Nähe wie die Motte das Licht. Um dieses Ziel zu erreichen, ist ihm jedes Mittel recht.


Kommt Freundin E. zu Besuch, nimmt Balu wie selbstverständlich auf Ihrem Schoß Platz. Ebenso erfinderisch ist der Bub bei seinen Kuschelversuchen. Eine zum Trocknen ins Handtuch gewickelte Stella wird hier kurzerhand zur Couch umfunktioniert.
Ich denke, mein Kampfschmuser ist im falschen Körper geboren worden. 20kg weniger wären für einen derart liebes- und nähebedürftigen 4-Beiner das zweck-dienlichere Gewicht gewesen.

Stella hat gelernt zu genießen und nun lehrt Stella uns Ruhe und Langsamkeit in einer Zeit der Eile, des unausweichlichen Speed, mit dem unser Leben dahin rast. Stella ist unsere Mitte, unser "Om". Selbst wenn ich manchmal wünschte, sie hätte einen eingebauten Düsenantrieb, den ich nach Bedarf auch mal einschalten kann, wenn sie wieder mal Raum und Zeit vergißt im seeligen Zeitunglesen an einem Grashalm - selbst dann bin ich froh, dass Stella mich gefunden hat und ich durch sie und an ihr die Freude entdecken durfte, die es tagtäglich bereitet, wenn man einem bereits abgeschriebenen Tier eine zweite, dritte oder x-te Chance auf ein schönes Leben geben kann.